Siemens findet Nachahmer


Siemens hat Arbeitszeitverlängerungen und Lohnverkürzungen durchgesetzt. Mercedes ist gefolgt und VW ist gerade dabei das Gleiche zu tun.





Wer es bisher nicht wahrhaben wollte, muß es – ob er will oder nicht – langsam wohl doch einsehen:

Arbeitszeitverkürzungen (35 Stunden-Woche, 6-wöchiger Urlaub) bei gleichzeitigen und fortwährenden, z.T. erheblich überzogenen Lohnsteigerungen haben ganz wesentlich zu unsere Wettbewerbsunfähigkeit und zu unserer heutigen Wirtschaftsmisere beigetragen. Den Gewerkschaften ist gelungen, was sie vor Jahren verkündet haben. Sie haben mit ihren Forderungen die Belastbarkeit der Wirtschaft „getestet“ und sie dabei fast an die Wand gefahren.

Die Arbeitgeber trifft bei dieser Entwicklung jedoch ein gerütteltes Maß an Mitschuld. Sie haben den Gewerkschaftsforderungen allzu leichtfertig zugestimmt wissend, daß das auf Dauer nicht gut gehen kann. Die höheren Kosten konnten sie mit höheren Preisen auf den Verbraucher abwälzen, solange das noch ging. Nun aber geht es nicht mehr. Der Verbraucher spielt bei den auf ihn zukommenden Lasten einfach nicht mehr mit. Er übt Kaufzurückhaltung. Und das Ausland kann – bis auf wenige Ausnahmen – inzwischen ebenso günstig oder günstiger produzieren. Mehr noch: Aufstrebende Länder beziehen zunächst unsere technischen Produkte, verlangen immer mehr Eigenbeteiligung, stellen sie schließlich allein her und verkaufen sie in der ganzen Welt zu günstigeren Preisen als unsere Unternehmen sie mit bei unseren hohen Kosten liefern könne.

Wie verherend sich diese Entwicklung auswirken kann, zeigt exemplarisch das Beispiel VW: Ein VW-Mitarbeiter produziert ein Umsatz-Volumen von rd. 260.000 EUR - ein Toyota-Mitarbeiter das Doppelte, nämlich rd 560.000 EUR! VW hat im Weltmaßstag deutlich zuviele und zu teure Mitarbeiter! Der Firmenwert von Toyota liegt bei 115 Mrd. EUR, der von VW bei 15 Mrd. EUR!! Toyota könnte VW "aus der Portokasse" aufkaufen, was schnell geschehen könnte, wenn das VW-Gesetz, das dem Land Niedersachsen praktisch eine Sperrminorität einräumt, unter dem Druck der EU wegen Wettbewerbswidrigkeit fallen würde. Ähnliche Situationen könnten sich auch bei anderen deutschen Unternehmen ergeben.

Die schönen Jahre der Beschaulichkeit und des bequemen Wohlstandes sind offensichtlich vorbei! Das muß nicht nur der Bürger als Verbraucher, das müssen auch die Wirtschaft und vor allem die Gewerkschaften einsehen. Deshalb heißt es, Abschied nehmen von mancher liebgewordenen Annehmlichkeit.

Die viel gepriesene Tarif-Autonomie, die ihre Kosten letzlich den Verbraucher tragen läßt, scheint wohl doch nicht der Königsweg zu sein.

gs