Neue Rentenformel

Bernt Rürup ist der Meinung, daß wir (schon wieder) eine neue Rentenformel brauchen. Er regt auch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre an.





Rürup hat natürlich Recht. Das war aber schon bei der CDU-Rentenreform klar und ist noch klarer geworden bei der "Riesterreform". Inzwischen sehen das wohl auch die Politiker ein.Wir brauchen sicher eine neue Formel, aber keine, die schon nach wenigen Jahren schon wieder nachgebessert werden muß, sondern eine, die systemkonform ist und deshalb auf Dauer hält.

Das kann nur eine Formel sein, die das Renten-Beginnalter grundsätzlich jährlich und automatisch an die veränderte durchschnittliche Lebenserwartung angleicht, ähnlich wie es bei der Rentenhöhe mit der Anpassung an das durchschnittliche Jahreseinkommen ja geschieht. Dann würden die erworbenen Anwartschaften auch ausreichen, um die Rente lebenslang zahlen zu können, ohne daß - aus diesem Grunde - die Beiträge laufend steigen müßten. Für laufende Renten muß eine gleichwirkende Formel die jährliche Rentenerhöhung abschwächen.

Früherer Renteneintritt (frühestens mit 65) kann auch weiterhin möglich sein, aber nur mit versicherungsmathematisch korrekt berechneten Abschlag. Dem Versicherten würde dadurch nichts willkürlich gekürzt – wie es beim kaum nachvollziehbaren demografischen Faktor geschieht – sondern es würden nur die durch bisherige Beitragszahlungen bis zum Renteneintritt erworbenen Anwartschaften auf die verlängerte Rentenbezugszeit neu verteilt, wodurch natürlich die einzelne monatliche Rente zwangsläufig kleiner werden muß.

Damit würde auch keineswegs die Lebensarbeitszeit generell und zwangsweise verlängert, wie jetzt gern polemisiert wird. Jeder Versicherte könnte nach wie vor früher „in Rente“ gehen. Er muß dann aber die durch ausfallende Beiträge und verlängerte Rentenbezugszeit eintretende Rentenminderung selbst tragen statt sie wie bisher durch die erwerbstätigen Beitragszahler in Form ständig steigender Beiträge finanzieren zu lassen.

Wenn der Gesetzgeber außerdem die Rentenversicherung von den versicherungsfremden Leistungen entlasten und endlich das andere große Problem, nämlich die durch viel zu lange Ausbildungs- und Studienzeiten sowie durch die Frühverrentung (vor allem die ohne Leistungskürzung) erheblich geschrumpfte Beitragszahlungsdauer angehen würde,  spräche nichts dagegen, daß die Beiträge der sozialen Rentenversicherung – vor allem bei rückläufiger Arbeitslosigkeit – bezahlbar blieben (sogar sinken könnten) und sie auch "nichtkapitalgedeckt" weiterbestehen könnte. Schließlich hat das Umlageverfahren ja auch seine Vorteile (Anpassung an die Lohnentwicklung, Sicherheit bei einer eventuellen Währungsreform).

gs