Bittere Medizin — BKK Taunus, BKK Heilberufe & Co


Die Gesundheitsministerin hat die Öffnung der Kassen verordnet und die Versicherten zum Wechsel in die Billig-Kranken-Kassen aufgefordert. Die Versicherten sind zu Hunderttausenden dem Aufruf gefolgt. Die Folge war nicht nur, daß die verlassenen Kassen ihre Beiträge zusätzlich erhöhen müssen, weil ihnen als Ausgleich die Beiträge der Gesunden fehlen. Sie werden auch ihr Personal verringern müssen. Die Billigkrankenkassen werden mit dem Ansturm kaum fertig und blähen ihre Verwaltung auf. Inzwischen müssen auch sie ihre Beiträge z.T. massiv erhöhen. Das wird im nächsten Jahr zu Austritten führen und den bisherigen Billig-Kassen weitere Kostenschübe bei den Verwaltungskosten bescheren.


 

 

 

Diese Entwicklung war nicht nur vorauszusehen — sie war sogar vorausgesagt. Und sie wird noch viele andere BKKs ereilen. Die Ministerin hätte wissen sollen, was passiert. Wenn nicht — dann muß man wohl an ihrer Kompetenz ernsthaft zweifeln.


Was zeigt diese Entwicklung?


Erstens: Die Öffnung war falsch, weil volkswirtschaftlich unsinnig. Sie hat nur unnötige Kosten verursacht, die nun aus den Versichertenbeiträgen finanziert werden müssen.

Zweitens: Die Verordnung von Wettbewerb unter den Kassen ist ebenso der falsche Weg, wie es der Wettbewerb unter den Versicherten ist (Der Wettbewerb muß unter den Leistungsanbietern stattfinden.)

Drittens: Die Sozialversicherung beruht nicht auf dem Prinzip des Wettbewerbs (gegeneinander) sondern auf dem der Solidarität aller Versicherten untereinander. Deshalb führt jede Differenzierung (Selbstbehaltstarife, Beitragsrückerstattung) ebenso wie der Wettbewerb der Versicherten oder Kassen gegeneinander zwangsläufig zur Entsolidarisierung und - zur Beitragserhöhung!!


Wie sollen die Probleme aber denn gelöst werden?


Alle gesetzlichen Krankenkassen müssen zu einer einzigen Kasse (ähnlich der BfA) zusammengefaßt werden, die über Länder-Niederlassungen für die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung selbst verantwortlich ist, mit jedem Leistungsanbieter direkte Verträge schließt und mit ihnen direkt abrechnet. Im Zeitalter der Computer-Vernetzung ist das kein organisatorisches Problem mehr; es spart sogar enorme Kosten.

Und was soll das bringen?

Erstens: Durch Abschaffung der Kassenärztlichen Vereinigungen und die direkte Kontrolle durch Kassenorgane: enorme Einsparungen von Verwaltungskosten und mißbräuchlich gewährter Versicherungsleistungen!

Zweitens: Bundeseinheiliche Beitragsätze. Kein Kassenwechsel mehr: Verwaltungskosten-Einsparungen!

Drittens: Fortfall des unsäglichen und kostspieligen Risiko-Ausgleichs unter den über 300 Kassen: Kosteneinsparung!

Viertens: Fortfall von hunderten von Geschäftsführern, Vorständen und sonstigen Kassenorganen: Verwaltungkosten-Einsparung!

Fünftens: Einführung einer einheitlichen Versicherten-Karte, mit der bei Behandlungsbeginn — wie bei Kreditkarten — „online“ die Berechtigung geprüft wird. Kein Mißbrauch von Karten mehr: Kosteneinsparung!

Sechstens: Die Überwachung der Behandlung von einer Stelle (Kasse). Kein Mißbrauch mit doppeltem und/oder unwirtschaftlichem Leistungsbezug durch Arzt-Hopping, keine Falschabrechnung durch Ärzte mehr. Kosteneinsparung!

Siebtens: Die direkte Abrechnung des Arztes nur mit einer Kasse erspart Kosten und gewährt dem Arzt das volle Honorar, das ihm nach der Gebührenordnung zusteht - ohne Abzüge!

Achtens: Der Arzt erhält für alle Versicherten bei gleicher Behandlung auch das gleiche Honorar. (Heute bekommt er z.B. von den - billigen - BKK's indirekt ein z.T. um ca. 50% geringeres Honorar als z.B. von den Ersatzkassen! - daher auch die billigeren Beiträge!!!).


Manche andere Kostenreduzierung ließe sich in einem solchen System noch erreichen (z.B. die Neuorganisation des gesamten Krankenhauswesens), ohne daß zunächst auch nur eine einzige Versicherungsleistung gekürzt werden müßte. Was aber keineswegs bedeuten kann, daß nicht auch der Leistungs-Katalog einer Bereinigung bedarf, wenn die GKV leistungsfähig bleiben und wieder effektiv und bezahlbar werden soll.


Ob sich wohl genügend Mutige finden, die bereit sind, ein solches Konzept um der Sache willen gegen alle Widerstände durchzusetzen — auch, wenn es am Ende ihre (Politiker-) Karriere kosten würde???

gs