Zahnersatz-Zusatzversicherung

Die SPD will - auf Druck der Kassen plötzlich statt der vereinbarten
Festprämie für die ("private") Zahnersatz-Zusatzversicherung die Prämie in
Prozenten vom jeweiligen Einkommen des Versicherten berechnen, weil sie
einen unzumutbar hohen bürokratischen Aufwand entdeckt haben will.






Kann mir einmal jemand erklären, wieso der einfache Einzug einer für jeden Versicherten gleichhohen Festprämie zu einem höheren Aufwand führen soll, als die - jeweils im Einzelfall erforderliche - Berechnung eines Prozentsatzes von dem bei jedem einzelnen Versicherten untschiedlich hohen Gehalt?
Zweierlei wird durch diese Diskussion deutlich:
Zum einen wird hier ein Vorwand benutzt, um eine ungeliebte Vereinbarung mit fadenscheinigen Argumenten auszuhebeln.

Zum anderen wird endlich klar, wie unfair und wettbewerbswidrig das Angebot der angeblichen "Wahlfreiheit" der Versicherten zwischen einer Zusatzversicherung bei einer gesetzlichen Kasse (GKV) oder einer Privaten Krankenversicherung (PKV) ist. Den angeblich "bürokratischen, unzumutbar hohen Kostenaufwand" bei einem eigenen Beitragseinzug der Kassen muß die PKV - wie immer - selbstverständlich auch bei der Zusatzversicherung tragen, weil sie - anders als die GKV - niemanden hat, der für sie kostenlos den Beitragseinzug übernehmen muß.

Die Ungleichheit im Wettbewerb ist aber noch weit größer: Die GKV kennt ihre Versicherten und kann sie - oft genug mit unfairen Argumenten - leicht dahingehend beeinflussen, sich bei ihr zu versichern. Die PKV dagegen ist darauf angewiesen, daß Interessenten sich bei ihr melden oder sie muß sie mit hohem Kostenaufwand - ohne ihre Anschriften zu kennen – selbst werben. Mit diesem Argument hat übrigens der Bundesgerichtshof schon vor 25 Jahren eine geplante Zusammenarbeit zwischen einigen GKV-Kassen und einigen PKV-Unternehmen als wettbewerbswidrig untersagt!

Der eklatanteste Verstoß gegen eine Wettbewerbs- und Chancengleichheit liegt aber darin, daß die GKV - auch bei ihrer Prämienkalkulation – davon ausgeht, daß sie Nicht-Kassenleistungen, (also private! - genau das sind ja die aus der GKV ausgegliederten Zahnersatzleistungen) nach den nur für die GKV geltenden Bemesungsgrundlagen und nicht nach den für Private (also für die PKV) geltenden, dreimal höheren Sätzen der Gebührenordnung (GOÄ) abrechnen wird. Ein solcher ungleicher "Wettbewerb", würde er in der Wirtschaft vorkommen, müßte und würde vom Bundeskartellamt sofort und strikt unterbunden werden.

Dieser Vorgang zeigt einmal mehr, daß die GKV eben kein Teilnehmer an der Marktwirtschaft ist, der sich einem fairen Wettbewerb aussetzt oder auch nur aussetzen kann. Sie ist eben eine staatliche Zwangs-einrichtung, die Bürgern, welche aus eigener Kraft nicht selbst für sich vorsorgen (können), eine Einheits- Krankenversorgung bietet, für die nicht risikogerechte, sondern nach Leistungsfähigkeit (sprich: Einkommen) berechnete, Zwangsbeiträge erhoben werden. Das ist auch richtig und gut so, solange man Bürgern, die das nicht wollen und auch nicht nötig haben, die Freiheit läßt, nach eigenem Ermessen für sich selbst zu sorgen.

gs