Mein schönstes Hobby: Dampflokfahren

Jeder richtige Junge träumt wohl davon, was er „später“ einmal werden möchte. Heute ist sicher der Beruf des Piloten der Favorit. Zu meiner Jugendzeit war das der Lokomotivführer. Natürlich auf einer Dampflok! Andere gab es ja noch garnicht, jedenfalls sah man sie kaum.

Bei den meisten ging dieser Berufswunsch nicht in Erfüllung. Auch bei mir nicht. Heute weiß ich, daß das auch gar nicht so schlimm, sondern gut so war. Zum einen ist es nämlich gar nicht so wichtig, wie man immer glaubt, den Wunschberuf zu ergreifen. Wichtig ist nur, daß man seinen Beruf annimmt, ernst nimmt und ihn gewissenhaft - und im Laufe der Zeit dann vielleicht sogar freudig und mit Genugtuung - ausübt, egal welcher es denn ist. Und zum anderen kann man sich seinen Traum bewahren, ihn weiterträumen und erhält vielleicht eines Tages doch noch die Gelegenheit, ihn sich zu erfüllen. Das ist mir - wenn auch spät - gelungen.

Mein Vater war Lokomotivführer. Kein Wunder also, daß ich es auch werden wollte! Ich hatte auch öfter Gelegenheit, mal auf seine Lok zu steigen und das Ungetüm zu bewundern, auch wenn das eigentlich streng verboten war. Ich durfte ihm hin und wieder das warme Essen an den abfahrbereiten Zug auf den Bahnsteig des Hannoverschen Hauptbahnhofs bringen, denn morgens , wenn er das Haus zum Dienstantritt verließ, hatte Mutter das Essen natürlich noch nicht fertig. Später - während des Krieges, als ich bei der Flak in Schweinfurt lag - bespannte er mit seiner Lok zufällig den Zug von Bamberg nach Hof, mit dem ich zum Wochendurlaub nach Hause (das war damals Hof an der Saale) fuhr. Klar, daß ich - niemand es sah - auf die Lok stieg und mit Vater mitfuhr, jedenfalls bis zum letzten Halt vor der Endstation. Dort hätte mich ja jemand beobachten können, und das hätte Vatern wohl nicht gerade ein Lob eingebracht. Das war jedenfalls meine erste Führerstands-Mitfahrt. Daß ich eine solche Lok selbst einmal würde fahren können, daran habe ich damals natürlich nicht gedacht.

Das ergab sich erst sehr viel später. Ich war längst im Ruhestand, und es war kurz nach der Wende, da hörten meine Frau und ich im Autoradio einen Bericht über den „Rasenden Roland“ auf Rügen und darüber, daß man dort eine Ausbildung zum „Ehrenlokführer“ machen könne. Das sei doch etwas für mich, meinte sofort meine Frau. Ich habe mich auch dafür interessiert. Aber dann kam etwas dazwischen: eine Bypaß-Operation (ich hatte viele Jahre vorher schon einen Herzinfarkt erlitten). Aus der Traum.

Ein Jahr später - ich hatte mich erstaunlich gut erholt - meinte meine Frau, ich sollt's doch noch mal versuchen. Der Doktor hatte nichts dagegen und meine Freunde schenkten mir zum 65. Geburtstag die Ausbildungskosten. Da konnte ich ja garnicht anders. Ich hab' mich natürlich doll gefreut.

Im Mai 1993 habe ich meine Ausbildung zum Ehrenlokführer auf der Rügenschen Kleinbahn Putbus - Göhren gemacht. Andreas - so alt wie mein Sohn - war mein Lehr-Lokführer und Siggi mein Heizer. Es war eine wunderschöne Zeit und es hat richtig Spaß gemacht. Und so ein bißchen stolz war ich schon auch als ich die Urkunde eines Ehrenlokführers der Deutschen Reichsbahn in Händen hielt. Und auch darauf, daß ich das noch geschafft habe. Seitdem bin ich einige Male mit den Vulkan-Loks der Lütt-Bahn, aber auch mit den Neubauloks, gefahren.

1996 ergab sich dann die Möglichkeit zu einem Seminar bei der Dampfbahn Rur-Wurm-Inde und eine Fahrgelegenheit mit einer Großbahn-Lok auf der Strecke der Dürener Kreisbahn Jülich-Düren Heimbach. Wieder eine ganz neue Erfahrung. Schließlich ist das eine Museumseisenbahn. Da sind ausschließlich Hobby-Eisenbahner am Werk und das mit viel Liebe und Engagement. Eine kleine Führerstands-Mitfahrt Gefällig? Dann hier klicken!

Und 1998 zu meinem 70. Geburtstag schenkten mir Familie und Freunde wieder ein Ehrenlokführer-Seminar. Das sollte nun aber auf der Brockenbahn stattfinden, denn die lag ja fast vor der Haustür. Im Juni bin ich dann zehn Tage auf den Harzer Schmalspurbahnen gefahren, jeden Tag zweimal auf den Brocken oder einmal nach Nordhausen. Allein die Strecke ist zunächst schon einmal überwältigend. Und dann mit der Dampflok bis auf 1100 m Höhe. Ob bei Sonnenschein oder bei Nebel und Regen, am frühen Morgen oder im Schein der über dem verschneiten Harz untergehenden Sonne, es war eigentlich immer faszinierend. So abwechselungsreich wie die Landschaft sind auch die Strecken. Und auf der Strecke Wernigerode-Nordhausen muß man nicht nur hübsch aufpassen, sondern auch richtig arbeiten. Aber genau das wollen Hobby-Eisenbahner ja auch. Nach 10 Tagen habe ich dann auch meine Ehrenlokführer-Urkunde für die Harzquer- und Brockenbahn erhalten. Inzwischen bin ich wieder mal einige Tage (diesmal im Winter!) auf der Brockenbahn gefahren. Es macht immer wieder viel Spaß und jedesmal gibt es wieder ein neues Hochgefühl, wenn man sich bewiesen hat, daß es noch klappt. Auch, wenn man jedesmal wieder ein wenig neu anfangen muß. Schließlich fehlt einem doch die Routine der Profis und - der jüngste bin ich ja nun auch nicht mehr!

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